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meine Sache, mein Problem; ich werd' nicht unter gehen

Die Seiten hier sind leer, schon eine ganze Weile. Ich hatte weder große Lust noch die Möglichkeit zu schreiben, der Welt irgendwas von mir mitzuteilen. Ich habe eine Pause gebraucht, eine Pause von mir und all dem hier. Dieser grauen Trostlosigkeit, diesem ganzen Leid. Ich habe mich jahrelang leiden sehen und nichts tun können, doch das war einmal. Ich kann nicht mehr still daneben sitzen, wenn um mich herum die Welt zerbricht, und weiterhin so tun, als würde mich das alles nichts angehen. Jahrelang habe ich mich selbst isoliert, war gefangen in meinem eigenen Kopf, in lähmenden Erinnerungen und Angst. Solch großer Angst, dass ich sie irgendwann gar nicht mehr wahr genommen habe. Sie war immer da, wenn ich aufwachte, wenn ich in der Bahn saß, wenn es an der Tür klingelte, immer und überall hin hat sie mich verfolgt. Und irgendwann habe ich dann einfach begonnen, sie anzunehmen, ich habe sie als einen Teil von mir gesehen. Als etwas schlechtes, wie eine eiternde, stinkende Wunde.
Um das alles aushalten zu können habe ich mir eingeredet, dass ich das verdient habe. Dass ich alles, was geschehen ist, verdient habe. Ich habe mich bestraft für Dinge, für die ich nichts konnte, ich habe angefangen, mich selbst immer und immer mehr zu zerstören. Ich habe sogar angefangen, daran Gefallen zu finden, habe mir das alles schön geredet.
Ich habe jahrelang, ohne es zu merken, in einer Blase gelebt. Die Welt zog an mir vorbei, zwar sichtbar, doch unerreichbar.
Und, bei Gott, eins weiß ich, das habe ich nicht verdient. Ich mag meine Fehler haben, ich bin kein perfekter Mensch, doch ich habe den Scheiß nicht verdient. Ich war zu klein, zu hilflos, zu allein, um irgendetwas zu tun. Ich hatte keine Chance und es war nicht meine Schuld. Es war verdammt nochmal nicht meine Schuld, dass irgendwelche dreckigen, widerwärtigen Männer ihre Hormone nicht im Griff hatten und sich wie der letzte Dreck benommen haben. Ich habe keinen einzigen Schlag verdient, keine einzige von den Erniedrigungen, nichts von den Dingen, die ihr euch habt einfallen lassen. Das, glaubt mir, das war ganz allein euer Fehler. Es ist mir egal, wie schlimm eure verkackte Kindheit war oder wie stressig euer Tag, es interessiert mich nicht. Eure ganzen Ausreden, der ganze geheuchelte Mist, das alles entschuldigt nichts. Meine Kindheit war auch nicht der Hammer, und dennoch gehe ich nicht rum und verprügel andere.
Aber wisst ihr was? Und für diese Erkenntnis habe ich sechs Jahre gebraucht, doch langsam sickert es durch.
Ihr bekommt mich nicht klein.
Niemals.
Ihr habt mich meiner Jugend beraubt, meiner Kindheit, ihr habt mir so viel Zeit gestohlen, die nie für euch vorgesehen war, und das reicht jetzt. Ihr seid Abschaum für mich, ihr seid der letzte Dreck, kaum ein Wort wert, und doch habt ihr mir so viel Leid beschert. Doch auch wenn ich manchmal hingefallen bin, ich bin nicht liegen geblieben. Ich bin jedes Mal wieder aufgestanden, habe mir den Staub abgeklopft und weiter gemacht. Ich habe aus dem kleinsten Funken Hoffnung eine riesige, leuchtende Pflanze gezogen und sie gehegt und gepflegt, jedes Mal wieder.
Doch jetzt zertritt sie niemand mehr.
Ich möchte euch etwas verraten, ganz im Geheimen.
Der nächste Kerl, der mich anpackt, wie auch immer, der zu weit geht, der wird sich wünschen, das niemals getan zu haben. Ich bin fertig damit, ich will und werde kein Opfer mehr sein. Ich bin angekommen, ich habe einen Platz zum Ausruhen gefunden, ich kann wieder Kraft tanken. Und das werde ich mir nicht nehmen lassen, mit Sicherheit nicht. Ihr ganzen armen Figuren, so mickrig und unbedeutend, ihr seid Nichts.
Und witziger weise hat es mich so viel Zeit und Kraft gebraucht, um zu diesem Schluss zu gelangen, doch nun kann ich beginnen den Schlussstrich, den ich jahrelang mit einem Bleistift gezogen habe, mit einem Edding dick und fett zu unterstreichen.
In diesem Sinne, frohen Valentinstag!

1 Kommentar:

Liah hat gesagt…

Erstens freut mich dieser Post einfach unglaublich und zweitens macht er mir auch Hoffnung. Dass ich so etwas auch irgendwann sagen kann.
Wollte das nur mal anmerken.