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Tell Them The Fairytale Gone Bad

Zwei junge Männer kommen auf mich zu.
Meine Füße rutschen auf dem nassen Laub.
Sie kommen näher.
Den großen taufe ich Spinne.
Über seine linke Wange spannt sich ein Tattoo wie ein Spinnennetz.
Er hat kurze Haare.
Dünne Beine.
Dunkle Augen.
Der kleine ist unscheinbar.
Er hat ein spitzes Gesicht.
Hohe Wangenknochen.
Klare Augen.
Sie lächeln beide.
Ich lächel zurück.
Ihre Worte sind leise.
Sie richten sich an mich.
Ein stummes Geplänkel.
Spinne schenkt mir eine Kippe.
Ich nehme dankend an.
Rauche.
Will wieder los.
Er legt mir den Arm um die Schultern.
Führt mich weg.
Runter vom Weg.
Ein Stück auf die Wiese.
Wir stehen vor einem Haus.
Es ist riesig.
Kaputt.
Mit einem Fenster links oben.
Der Rest sind ockerfarbene Wände.
Wir gehen hoch.
Setzen uns hin.
Ein Raum mit einem Sofa und zwei Türen.
Eine führt runter.
Die andere auf einen Balkon.
Ich setze mich hin.
Spinne setzt sich hinter mich.
Der Kleine lässt sich mir gegenüber fallen.
Fummelt gelangweilt an seinem Handy.
Spinne streicht durch meine Haare.
Zu nett, zu sanft.
Ich setze mich auf.
Sage, dass ich nun gehen muss.
Die beiden grinsen.
Ich stehe unsicher auf.
Gehe zur Tür.
Abgeschlossen.
Wütend gehe ich auf den Balkon.
Schaue nach unten.
Schwindelerregende Höhe begrüßt mich.
"Spring doch."
Spinne steht hinter mir.
Stumme Angst kriecht mir unter die Kleidung.
Spinne zieht mich wieder rein.
Gelähmt krümme ich mich zusammen.
Lasse mir die Haare streicheln.
Höre zu, wie die beiden Belanglosigkeiten austauschen.
Nicke langsam ein.
Bis die Tür mit einem Klacken ins Schloss fällt.
Ich öffne die Augen.
Blicke in ein junges Gesicht.
Ein junger Kerl.
Höchstens zwanzig.
Blonde Haare.
Blaue Augen.
Ein Milchbubi.
Er grinst schmierig.
Ich schließe die Augen.
Stelle mich schlafend.
Spinne durchschaut es.
Stupst mich an.
Ich rege mich nicht.
Alle wissen, dass ich nicht möchte.
Bubi setzt sich neben den Kleinen.
Sieht mich ausdruckslos an.
"Magst du ihm nicht mal einen Kuss geben?"
Spinne deutet auf den Bubi.
Ich verneine unsicher.
Spinne winkt ihn heran.
Stoppt mit dem Streicheln meiner Haare.
Hält mich fest während der Bubi seine Lippen auf meine drückt.

Ich friere.
Stehe auf dem Balkon.
Ein Seil hängt bis nach unten.
Ich wunder mich nicht, woher es kommt.
Es ist einfach da.
Logisch.
Ohne zu überlegen greife ich danach.
Schlinge meine Beine darum.
Rutsche runter.
Unten angekommen höre ich Spinne.
Höre seine wütenden Schritte.
Wie sie immer schneller die Treppe runter stürmen.
Ohne zu überlegen laufe ich.
Laufe zwischen Bäume.
Als sie an mir vorbei laufen beginnt es.
Ein Schmerz breitet sich aus.
Eine fremde Sehnsucht.
Jede Faser meiner Körpers will zurück.
Will zurück in das Zimmer.
Sehnt sich nach Spinne.
Nach dem Bubi und dem Kleinen.
Nach den sinnlosen Gesprächen.
Abgebrannten Kippen.
Als ich in Sicherheit bin fehlt es mir.

Kommentare:

Mel hat gesagt…

Das ist so schön geschrieben ♥♥♥

Vani Darleen hat gesagt…

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In Liebe, V.

http://meine110prozent.blogspot.de/