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Für ein paar Sekunden ist dann alles egal; und die Null bin nicht ich, sondern einfach ne Zahl

Ich konnte es nicht verhindern, wir haben uns einfach wieder gesehen. Ich habe versucht mich klein zu machen, aber alles verstecken der Welt hat nichts geholfen. M kam grinsend auf meine Straßenseite gelaufen, eine Flasche Bier in der einen und ein fremdes Mädchen an der anderen Hand. Sie ist schön, groß und schlank, hat lange, braune Haare. Sie ist alles, was ich nie war. Es hat mir einen Stich verpasst, einen tiefen Riss in mir drin. Ich war scheinbar nie genug.
"Hey, was geht?"
Unsicher sehe ich ihn an. Nichts deutet auf Ärger hin. Trotzdem stehe ich weiterhin angespannt da, verberge meine zitternden Hände hinter dem Rücken.
"Wollte in die Stadt und bei dir?"
"Wir wollten zu mir."
Er zieht die Brünette zu sich, legt ihr zärtlich seinen Arm um die Taille und drückt ihr einen Kuss auf die Wange. Sie drückt sich kichernd an ihn und sieht mich verlegen von der Seite an. Doch ich kann mich nicht auf sie konzentrieren, meine ganze Aufmerksamkeit liegt bei M. Er fixiert mich, während er sie küsst und das kleine Feuer flammt wieder in seinen Augen auf. Plötzlich fühle ich mich schwach, wertlos und klein. Er fehlt mir, jede Faser von mir möchte neben ihm stehen, das Mädchen sein, die er mit nach Hause nimmt, jede Faser von mir möchte wieder von ihm geliebt werden. Meine Nägel graben sich tief in meinen Arm. Ich muss mich beherrschen, nicht die Hand nach ihm auszustrecken, meine Finger mit seinen zu verflechten und mich an seiner Brust zu vergraben.
Mir wird schwindelig, es fühlt sich an, als würde die ganze Welt plötzlich um mich herum zersplittern und zu feinem Staub zerfallen. Ich weiß nicht mehr was richtig ist, was ich will und wieso ich mich nach M sehne, wo mein Körper doch vor Angst fast zerspringt, während er mich ansieht.
"Oh cool. Ich muss mal los, bis dann." murmel ich und schiebe mich mit einem unsicheren Lächeln an den beiden vorbei.
"Bis bald, man sieht sich."
Ms Hand streift meinen Arm als ich gehe und für einen Moment habe ich das Gefühl, dass er nach mir greift, doch die Bewegung ist so flüchtig, dass sie Sekunden später schon verblasst.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Du suchst und suchst nach dem Warum.
Du suchst, weil du getrieben wirst, weil du dich treibst.
Getrieben vom Durst, gestoppt vom Hunger.

Morpheus legt seine Hand über dich, doch der Hunger ist stärker

Tia hat gesagt…

Ich bin stolz auf dich. Du bist so stark.

Tia hat gesagt…

Ich hatte immer Angst vor dem Tag, an dem ich erklären muss, was an N anders ist. Sodass er sich verändern konnte.
Denn ich habe keine Ahnung, was mit ihm passiert ist. Über ein paar Monate, in denen wir keinen Kontakt hatten, hat er mir nie etwas erzählt. Seitdem glaubt er an Gott und an den Teufel und ist allgemein ein bisschen durch den Wind, das ist alles, was ich weiß. Er hat mir nie wieder wehgetan, das gebe ich zu.

M wird sich wieder bei dir melden, dein Eindruck, dass er nach dir greift, ist sicher keine Einbildung gewesen. Und er wird dir sagen, dass er sich verändert hat. Dass er dich liebt und dich braucht und es nicht ertragen kann, von dir getrennt zu sein. Oder so ähnlich.
Nur glaube ich das nicht.
Ihm ging es nie um deine Freude. Ihm ging es um dein Leid. Deine Herzenstimme wird dir erzählen, dass es mit ihm ganz anders werden würde, dass ihr zusammen lachen würdet und Kuschelsex hättet.
Aber so würde es nicht werden. Vielleicht am Anfang, vielleicht ein, zwei Mal.

Diese Frage klingt ein bisschen blöd, aber ich stelle sie dir mal trotzdem. Hattet ihr jemals unbefangen Spaß miteinander? Hast du dich je mal beschützt von ihm gefühlt?