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Turn The Pain Into Power

Wir haben nicht mehr darüber gesprochen. Mit keinem Wort hat er mich verpfiffen oder bloß gestellt. Wir tun einfach so, als wäre das alles nie passiert. Wir leben weiter still nebeneinander her, fassen uns an, küssen uns, schweigen uns an bis die Stille bricht.
Er hasst mich weil ich trinke und ich hasse ihn, weil er es nicht tut. Ich kippe mir einen Kurzen runter, einen zweiten gleich hinterher, bevor er seine Arme um meine Taille schlingt und mich zu sich zieht. Der Alkohol braucht nicht lange um zu wirken, nach zwei weiteren Gläsern gebe ich ihm einen zärtlichen Kuss auf die Wange. Er sieht mich an und für einen Moment meine ich ein Glitzern in seinen Augen zu sehen, so etwas wie Liebe vielleicht.
Es fühlt sich richtig an, für ein paar Stunden ist dann alles okay. Dann kann ich ihm sagen, dass ich ihn gerne habe und dass ich hoffe, dass wir das irgendwie hin bekommen. Er sieht mich an, ganz lange, viel zu ruhig. Dann nimmt er meine Arme und streicht leicht über die frischen Wunden. Er nickt. Nickt einfach.
Und das reicht. Sein kleines Nicken bricht meine Mauern und entfesselt den Sturm, der in mir wütet. Ich halte den Schmerz nicht mehr aus, die Liebe, die Angst, das Verlangen und den Ekel. Ich entreiße ihm meine Arme und stehe auf.
"Wichser," murmel ich und sehe ihn an. Er reagiert nicht. sieht mich einfach nur an.
"Du bist ein verdammtes Arschloch, du... du machst alles kaputt... Ich kann das nicht mehr, ich... du bist das Letzte, ehrlich, du beschissener Bastard." Ich schluchze mehr als dass ich rede, die Tränen sind meinen Worten um einen Großteil voraus.
M steht auf und kommt auf mich zu, bis er ganz nah vor mir steht. Mein Herz verkriecht sich, doch das laute Pochen verrät mich. Mir steht die Angst bis oben hin. Doch ich weiche nicht zurück, ich sehe M trotzig an. Und er steht da und sieht mich einfach an. Ohne ein Wort, ganz still.
"Sag doch was, du kannst doch nicht... sag was dazu, Mistarsch. Hör auf mich so dumm anzustarren."
Doch M sagt immer noch nichts. Mittlerweile bebe ich vor Wut, Angst und Alkohol. Ich greife mir mein Glas, schütte es voll, verschütte die Hälfte und trinke. Mir rinnt die Flüssigkeit brennend den Hals runter, doch ich greife mir noch ein Glas.
Und plötzlich ist da M, der mir das Glas aus der Hand nimmt und es weg stellt. Der sich wieder dicht vor mich stellt und dieses Mal die Arme um mich schlingt. Ich versuche mich wütend aus seiner Umarmung zu befreien, doch er hält mich fest. Sanft und bestimmt.
Er hält mich so lange, bis ich sein ganzes Shirt durch nässt habe und ihm jedes erdenkliche Schimpfwort an den Kopf geworfen habe. Sogar als ich anfange ihn zu kratzen, damit er mich los lässt, nimmt er es hin und lässt mich gewähren. Er hält meine Haare, als ich kotzend vor dem Klo hänge un den Alkohol und ungefähr die Hälfte meines Mittagessens wieder von mir gebe. Die ganze Zeit sagt er nichts. Kein einziges Wort.
Irgendwann nicke ich unter Brüllen, Schimpfen und Schluchzen ein. Ich merke schwach wie mich M hoch hebt als ich drohe unter ihm weg zu sacken und mich ins Bett trägt. Er legt mir eine Decke über und legt sich neben mich. Die ganze Zeit ist er da und dieses Mal bin ich froh darum. Er ist mein Fels, er ist der, der mich wieder aufkratzt, wenn mich jeder, einschließlich mich selber, aufgegeben hat. Ich brauche ihn.

Kommentare:

Tia hat gesagt…

Der Strudel zieht dich immer tiefer,
in eine Welt aus ihm und Betäubung.
Schon siehst du keine Sonne mehr,
aber sie ist noch da.
Ich schwör dir,
sie ist noch da.

thequestioniswhatisthequestion hat gesagt…

Es wäre gelogen wenn ich nicht das gleiche über dich sagen würde M