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Ein paar Zeilen an mich

Ganz egal, wer du bist, du bist ein Niemand. Was dir bleibt, was du bist, all das macht keinen Unterschied mehr. Die Jungs müssen gut ficken können und die Weiber müssen ihre Beine schnell genug öffnen können. Du musst das neueste Smartphone besitzen, die besten Schuhe, sonst bist du nichts. Und selbst so ist es schwierig. Du bist die absolute Nutte, lässt dich von deinen Stechern verprügeln weil du nicht einmal selbst weißt, wer du überhaupt bist und dass du es nicht verdient hast.
Und deine Kerle, ihnen ist das ebenso unklar. Sie sind mächtig, weil sie dir eine aufs Maul geben können, weil sie dir weh tun können, nur um dir anschließend schöne Klamotten kaufen zu können. Als Entschuldigung, die du natürlich annimmst. Denn du bist käuflich. Jeder Mensch hat seinen Preis. Du, ich, er, wir alle. Egal ob du mit Geld oder Liebe zahlst, irgendwie zahlst du doch. Er zahlt dir mit Schlägen das, was du ihm mit Liebe vorgaukelst. Wir sind alles beschissene Schauspieler, die versuchen ihr Leben so zu spielen, als ob es etwas wert wäre. Um Jemand zu sein, um nicht allein zu sein, um so zu sein, wie du dich wünscht. Du willst besser sein, schöner, reicher, klüger. Aber das bist du nicht, du bist du. Das anzunehmen tut weh, es macht dich fertig. Vielleicht.
Aber vielleicht hörst du dann eines Tages auf dich verhauen zu lassen, du hörst auf dich selbst zu verletzen, nur um das zu spüren, was du sein willst. Du willst etwas wert sein, du willst dem Kerl, der dich grade vögelt, gefallen. Und das nicht nur, weil du deine Beine gut öffnen kannst, weil da unten noch alles eng genug ist, damit er auch zum Schluss kommt. Du willst, dass er dich ansieht und dich liebt, dich liebt um deinetwillen. Und es wird vielleicht Jahre dauern, aber irgendwann wirst du merken, dass er es nicht ist. Dass er dich nicht lieben kann, es vielleicht nicht einmal will.
Und dann? Was hast du dann? Du hast die Scherben, vor denen du jetzt stehst. Den Nutten Stempel, das Versager-Gen. Und das bist dann du, das musst du akzeptieren. Denn du kannst die Schuld immer bei anderen suchen, doch letztendlich triffst du deine eigenen Entscheidungen. Egal, ob sie dir gut tun oder nicht, das ist dann deine Entscheidung. Und nur du kannst dich selbst aus der Scheiße reißen, denn glaub mir, jemand anderes würde nicht mal den Finger krümmen, wenn du grade ersaufen würdest. Sie sind alle auf sich aus, ebenso wie du auf dich. Jeder sucht sich das, was ihm gut tut, was das Beste für ihn ist. Ohne Rücksicht auf Verluste.
Also rauch dir weiter deine Joints, besauf dich, bis die Welt so ist, wie du sie haben willst. Nicht weniger kaputt, nur mit ein bisschen Glitzer auf all dem Mist. Schieß dich ab, vergiss dich selbst, doch der Erste und Einzige, der dich jemals retten konnte, warst du selber. Und du triffst die Entscheidung dich selbst in dem ganzen Scheiß zu lassen, selber. Daher habe ich kein Mitleid mit dir. Warum müsste ich? Du wählst deine Wege selber, ein Stück weit.
Und das Stück reicht. Das Stück reicht, um dich von jedem dahergelaufenen Penner vergewaltigen zu lassen und die Beine breit zu machen, wenn du denkst, es geht nicht mehr. Gute Überlebensstrategie, muss ich zugeben, doch auf Dauer geht es nicht. Also entscheide dich. Mach den Cut und sage, dass du raus aus dem Leben bist, dass es für dich keine Zukunft mehr gibt, keine, die du haben willst und beende das. Zweiter Weg: du bleibst in der Scheiße sitzen, denn auch Scheiße hält warm, und lebst dein Leben so. Das geht auch, es wird weh tun, aber sicher nicht so sehr weh, wie der dritte Weg, den, den du erst erlernen musst: Sei zärtlich zu dir, pass auf dich auf, sei dir so viel Wert, wie du es zulassen kannst und nimm dich zusammen. Nimm all deinen Mut, kratz die restlichen Kräfte zusammen und änder was. Sei du, sei anders, aber irgendwie doch du. Verwirr die Menschen, nimm ihnen die Macht, dich zu kennen, aber lerne dich selbst erstmal kennen. Das ist der schwierigste Schritt, denn du musst dich selbst aushalten lernen. Und dass du das nicht kannst, das ist absehbar. Ich meine, sieh dich mal an, das, was du bist, ist nicht nennenswert. Es ist erbärmlich, es ist klein, es ist unbedeutend.
Manchmal schäme ich mich, du zu sein. Du bist nicht das, was ich für mich wollte. Ich wollte irgendwas cooles, irgendeinen Menschen, mit dem die Leute gut klar kommen, jemand, den man gerne hat. Und jetzt hab ich das. Ich kann natürlich die ganze Zeit suchen, weshalb ich so geworden bin und den restlichen Menschen die Schuld geben, ich kanns aber auch lassen. Denn was bringt mir das? Ich bin du, du bist ich, und das lässt sich nicht mehr ändern. Du kannst höchstens anders werden, mich mit mehr Stolz erfüllen als du es jetzt tust. Doch das willst du nicht, ich merke es. Du hast Angst davor, dich zu öffnen, du jemandem das zu sein, was du seit Jahren nicht mehr warst. Weil da irgendwann ein einziger Wichser (na gut, ein paar mehr) waren, die genau das genutzt haben. Das genutzt, um dich an fremde Typen für ein Bier zu verkaufen und dich zu vögeln, wann immer es ihnen passte. Und du hast es machen lassen, du warst dabei. Mit dem Kopf vielleicht nicht, langsam kenne ich dich, doch du warst doch dabei. Du hättest was tun können, dennoch schreien können, treten, ausrasten. Aber du bist still geworden, aus einer Angst heraus, die ich bis heute nicht verstehe.
Schläge, Scham, das alles hast du hinter dir. Da ist nicht mehr viel, was es zu verlieren gilt, wovor hast du noch Angst? Mehr vor dem allein sein, oder davor, dass jemand da ist, der auch bleibt? Der nicht immer das Selbe will? Ich weiß es nicht, erkläre es mir. Sag mir wie du bist, erklär mir bis ins Kleinste alles, was du bist, was dich ausmacht, was du liebst. Sei du, ein verdammtes Mal!

Kommentare:

Lulu hat gesagt…

Das hört sich traurig an.
Als ich den Satz mit dem "sich aushalten" gelesen habe, musste ich kurz auch an mich denken. Die Angst alleine zu sein und das für immer ist erschreckend. Sich selber wertzuschätzen und sich selber über jeden zu stellen sollte die Priorität sein, denn ganz zum schluss, am Ende von allem, was bleibt dir da?
Nur du selber.

clara hat gesagt…

Ich würde Dich gerne kennenlernen.
Und vor allem wünsche ich dir so so sehr, dass du das immer öfter willst und tust und du dir (verdammt nochmal) mehr wert bist.