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I Am Free And That's Why I Am Lost

Ich versinke in Musik, sehe deinen Rücken, während ich das schreibe. Es ist ungewohnt, nette Dinge zu schreiben, ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich das überhaupt kann. Sicher klingt das hinterher total dumm, total schräg, vielleicht sogar, Gott bewahre, kitschig. Dann, versprochen, lösche ich das alles. Dann ist es so, als ob es nie da gewesen wäre. So, wie jetzt.

Lieber Luca,
ich bin nicht gut darin, nette Dinge zu sagen. Ich bin gut darin, die guten Dinge in bösen Sätzen zu verpacken, das kann ich gut. So habe ich mich bis jetzt ausgedrückt, zu den netten Leuten war ich immer scheiße. Und das hat auch funktioniert. Ich hab mir die Leute lang genug von der Pelle gehalten, bis ich neue Menschen hatte, sodass ich nicht abhängig war. Es gab immer irgendjemanden, zu dem ich keinen engen Draht hatte, der mich aber für Lau bei sich Pennen gelassen hat.
Und auf einmal wohne ich jetzt hier. Der erste Auszug, alle neu, und dann noch bei jemandem, zu dem ich eigentlich keine Bindung aufbauen wollte. Ich wollte das mit dir genauso machen, wie immer. Scheiße zu dir sein, ein bisschen vögeln, aber keine Gefühle zulassen. Dich rechtzeitig weg hauen, bevor du mir was bedeuten kannst, damit ich mich nicht verletzlich mache. Egoismus pur.
Und jetzt wohne ich hier. Und rede mit Bob darüber, was bei mir so gefühlsmäßig abgeht, weil ich es dir nicht sagen kann. Weil sich irgendwas in mir dagegen sträubt, mich vor dir verletzlich zu machen, dir das zu zeigen, womit du mich treffen könntest.
Aber die Wahrheit ist, dass ich schreckliche Angst habe, dir weh zu tun. Weil du das nicht verdienst, weil du einer der wenigen netten Kerle bist, die ich kenne. Und ich weiß, was für ein Miststück ich bin. Mit voller Absicht. Ich kann mich da nicht raus reden, und ich will es auch gar nicht. Ich stoße dich weg, drücke dir dumme Sprüche, sobald du mir zu nah kommst. Und ich weiß, dass das auf Dauer so nicht gehen kann, denn irgendwann hast du von mir genug und ich habe dir genug weh getan. Genug, dass du mich hasst und nicht mehr magst, sodass ich keine Angst mehr wegen den Nähe haben muss.
Obwohl ich zugeben muss, dass mir deine Nähe gut tut. Ich muss desweiteren aus zugeben, dass ich das nur zugeben kann weil ich betrunken bin, aber ich kann es momentan wenigstens. Deine Nähe tut mir gut, das Gefühl, dir nicht egal zu sein. Dass du mich nicht nur für Sex haben willst.
Und das ist was vollkommen Neues für mich. Jaja, blabla, ich heule wieder bisschen rum, aber das ist mein Ernst. Ich kenne es kaum, dass da jemand ist, der mich nicht nur zum Vögeln haben will. Dass da irgendwie mehr ist, dass da mehr hinter steht. Und genau das ist das, wovor ich Angst hab. Angst habe, das zu zulassen, Angst, dir weh zu tun, Angst, dass du mir zu viel bedeuten könntest.
Ich kann dir nicht die Dinge zeigen, die mir weh tun. Aber ich bemühe mich, und das schwöre ich, jeden Tag ein bisschen netter zu dir zu sein. Den Pärchen Mist vielleicht einmal auszuhalten, vielleicht mal ohne einen dummen Spruch hinzunehmen, dass du mich in der Öffentlichkeit küsst oder umarmst. Das sage ich jetzt einmal, oder schreibe es, und werde es danach sofort wieder komplett vergessen und ignorieren, ich mag das. Ich mag es, dass du ein bisschen eifersüchtig bist, dass du mich in draußen küsst oder mir zeigst, dass du mir gern hast. Dass du dich von meinem Ich nicht abschrecken lässt und trotz allem hinter mir stehst.
So, vergessen. Nie gesagt.
Ich weiß nicht, was ich noch sagen kann, außer, dass ich dir schrecklich dankbar bin. Dass du mich so nimmst, wie ich bin und dass du mich aufnimmst. Du bist ein feiner Kerl und das sage ich, bei Gott, sehr selten.
Ich drücke dich, von hinten, ohne dass du es merkst, denn du bist müde und rauchst und willst glaube ich nur noch schlafen, aber ich halte dich wach, also drücke ich dich in Gedanken, schicke dir meine besten Wünsche, denn du hast dein Happy End (SCHEIßE, KITSCH) wirklich verdient.
Mit einem Gruß vom Tiger,
M

Kommentare:

Rebecca hat gesagt…

Es muss nicht so sein.
Wir alle stellen uns irgendwann auf die höchste Klippe, unverletzlich, unzerbrechlich und schubsen mit hinterhältigem Grinsen alle nach und nach runter in die Tiefe, die sich uns nähern, auch und gerade die, die uns hilfsbereit ihre Hand entgegenstrecken,
mit der ehrlichen Absicht, uns runterzuhelfen. Um uns danach in den Arm zu nehmen.
Zumindest glaube ich das.
Vielleicht haben wir irgendwann verlernt, einen Unterschied zu machen, vielleicht wollen wir keinen machen.
Vielleicht spielt es auch einfach keine Rolle, wer da zu uns hochklettern will, weil wir ihnen sowieso niemals unsere Hand reichen würden.

Und dann kommen da manchmal diese Menschen - und ich schreibe das hier vor allem, weil es mir gerade ähnlich geht und weil ich möchte, dass du weißt, dass es nicht so sein muss, wie du geschrieben hast, obwohl ich natürlich weiß, dass es so viel leichter ist, allein da oben auf dieser Klippe zu stehen - diese Menschen, die uns beim Hochklettern in die Augen sehen, die irgendwas an sich haben, dass wir sie nicht schubsen. Diese Menschen fallen auch nicht runter, wie so manch anderer und irgendwann stehen sie, etwas unterhalb von uns, und sehen uns zu, wie wir da ganz oben auf dieser Klippe sind.
Sie sind einfach nur da und lassen uns.
Lassen uns sein, wer wir sind, lassen uns nicht los, nicht fallen, nicht allein, lassen uns vielleicht glauben, vielleicht hoffen, vielleicht lieben.
Lassen es zu, dass wir gemein zu ihnen sind, dass wir die Grenzen austesten und darüber hinaus.
Und bleiben trotzdem.

Denn, so beängstigend und gruselig es ist, solche Menschen gibt es tatsächlich.

Ich hasse es, Menschen zu verletzen, aber die Angst davor, selbst verletzt zu werden, überwiegt beinah immer.
Beinah.
Dieses eine Mal hab ich, in Momenten in denen ich selbst jenseits von Gut und Böse war, zu erklären versucht.

Langsam und vorsichtig. Warum ich gerade das gesagt hab, warum ich so bin, warum ich Angst habe, warum mir das gerade extrem unangenehm ist und und und. Immer nur kleine Sachen.
Er hat zugehört und hat verstanden.

Und es macht mir Angst, wie sehr ich mich mittlerweile daran gewöhnt habe und ich glaube ihm noch immer nicht ganz.
Aber er ist immer noch da, trotz all der merkwürdigen Aktionen, die ich zur Verteidigung meiner Klippe schon unternommen habe.

Und eigentlich ist das alles, was ich dir sagen will. Dass es manchmal Menschen gibt, für die es sich zu Reden lohnt, nur ein kleines bisschen, nur so, dass sie es vielleicht verstehen können.
Natürlich weiß ich nicht, ob er einer dieser Menschen ist, ob er sich lohnt, es sich lohnt,
aber M., falls du irgendwann merkst, dass es vielleicht so ist - dann hab keine Angst.
Ich weiß, das sagt sich so leicht.
Aber ich bitte dich, versuch es.
Du hast selbst geschrieben, dass er es nicht verdient, verletzt zu werden.
Aber vielleicht geht es auch gar nicht so sehr darum, ihn nicht zu verletzen - sondern vielmehr darum, ab und zu zu vergessen, dass er DICH verletzen könnte, jederzeit.

M. Er lässt dich. Und vielleicht kannst du dich selbst mit ihm auch ein bisschen lassen.
Niemals ganz natürlich, immer fest mit beiden Füßen auf der Klippe, zumindest vorerst.

Ich weiß es nicht, aber ich wünsch es dir so sehr. Du hast das nämlich auch verdient, nicht verletzt zu werden.
Ist dir vielleicht alles zu kitschig hier, ist auch schon ganz schön spät und die Müdigkeit macht mich immer ein bisschen zu hoffnungsvoll,
aber ich mein, heißt dein Blog umsonst HOPE?

Hab keine Angst - dieses eine Mal.

Ich denk an dich, pass bitte auf dich auf und schlaf gut.

Alles Liebe,
Rebecca.







Rebecca hat gesagt…

P.S. Ich hoffe, ich hab das nicht alles völlig falsch verstanden. Falls doch, tut es mir Leid.
Ich bin froh, dass du immer noch deine Gedanken hier aufschreibst.
Danke. Ehrlich.